Positionspapier Landesfachstelle Bayern
Dieses Positionspapier beschreibt die strukturellen Versorgungslücken für Familien nach Fehlgeburt, Totgeburt und frühem Kindstod und zeigt einen möglichen Lösungsweg auf.
Es dient als fachliche Grundlage für Gespräche mit Politik, Verwaltung, Kostenträgern und Institutionen.
Das Positionspapier liegt dem Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention sowie dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales bereits vor.
Das Positionspapier als PDF zum Download:
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Warum wir unser Angebot umstellen mussten
In den vergangenen Jahren haben wir hunderte Familien in extrem belastenden Ausnahmesituationen begleitet – rund um die Diagnose einer infausten Prognose, eine Fehlgeburt, stille Geburt oder den Tod eines Kindes.
Diese Begleitungen fanden meist in Momenten statt, in denen Eltern unter Schock standen, kaum orientiert oder entscheidungsfähig waren und dennoch innerhalb kürzester Zeit weitreichende und unumkehrbare Entscheidungen treffen mussten.
Diese Arbeit war ausschließlich durch Spenden und ein außergewöhnlich hohes ehrenamtliches Engagement möglich.
Doch genau darin liegt das Problem.
Wir haben über Jahre hinweg Aufgaben übernommen, für die es bis heute keine staatlich abgesicherte Versorgungsstruktur gibt.
Die hochverantwortliche Krisenintervention erforderte zeitweise einen Umfang von bis zu 40 ehrenamtlichen Arbeitsstunden pro Woche – zusätzlich zu Beruf, Familie, Vereinsführung und den weiteren Projekten unseres Vereins.
Ein solcher Umfang ist auf Dauer weder organisatorisch leistbar noch fachlich verantwortbar.
Vor allem aber können und wollen wir nicht länger dabei zusehen, dass Hilfe für betroffene Familien weiterhin vom Zufall abhängt.
Ob Eltern in einer der schwersten Situationen ihres Lebens fachlich qualifizierte Unterstützung erhalten, darf weder vom Wohnort noch von der Erreichbarkeit einzelner Ehrenamtlicher oder von der aktuellen Spendenlage abhängig sein.
Eine flächendeckende Versorgung kann auf diese Weise niemals entstehen.
Genau deshalb braucht es verlässliche, staatlich abgesicherte Versorgungsstrukturen.
Warum Ehrenamt hierfür nicht ausreicht
Die Akutbegleitung nach einer infausten Diagnose, einer Fehlgeburt, stillen Geburt oder dem Tod eines Kindes ist kein niedrigschwelliges Unterstützungsangebot.
Sie ist eine hochverantwortliche Krisenintervention.
In dieser Phase geht es unter anderem um:
- Stabilisierung in einer akuten Schocksituation
- traumasensible Kommunikation
- Orientierung in medizinischen, rechtlichen und organisatorischen Fragestellungen
- Begleitung vor Ort
- Erinnerungsschaffung (z. B. Abdrucknahme)
- Familien und Fachkräfte in eigene Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit bringen
Diese Aufgaben erfordern weit mehr als Mitgefühl und persönliches Engagement.
Sie benötigen fachliche Kompetenz, traumasensible Qualifikation, professionelle Haltung, klare zeitliche Verfügbarkeit sowie eine dauerhaft abgesicherte Struktur.
Eine solche Begleitung kann nicht neben Beruf, Familie, eigener Betroffenheit und ehrenamtlicher Vereinsarbeit dauerhaft gewährleistet werden.
Warum wir diese Entscheidung getroffen haben
Aus Verantwortung gegenüber den betroffenen Familien und ebenso gegenüber unseren ehrenamtlichen Begleitenden haben wir uns entschieden, diese Form der Akutbegleitung derzeit nicht weiter anzubieten.
Wir können und möchten keine Versorgung versprechen, die wir dauerhaft weder personell noch finanziell verlässlich absichern können.
Eine Hilfe, die ausschließlich auf Spenden und ehrenamtlicher Verfügbarkeit beruht, bleibt zwangsläufig unsicher.
Doch Krisenversorgung braucht Verlässlichkeit.
Sie darf nicht davon abhängen, ob genügend Spenden eingehen oder ob einzelne Ehrenamtliche gerade erreichbar sind.
Was wir aktuell nicht mehr anbieten
Derzeit bieten wir nicht mehr an:
- akute Einzelbegleitungen unmittelbar nach Diagnose oder Tod eines Kindes
- Begleitungen vor Ort (Klinik oder häusliches Umfeld)
- eine dauerhaft erreichbare Notfallnummer
- eine verlässliche Lieferung von CuddleCots, Himmelbettchen, Abdruckmaterialien und weiterer Ausstattung
- regelmäßige Selbsthilfegruppen
- eine Beratungsstelle mit festen Öffnungszeiten
Auch unsere bisherigen Räumlichkeiten mussten aus finanziellen Gründen aufgegeben werden.
Woran wir weiterhin arbeiten
Unsere Arbeit endet mit dieser Entscheidung nicht.
Im Gegenteil.
Wir investieren unsere begrenzten Ressourcen heute gezielt dort, wo nachhaltige Veränderungen entstehen können.
Dazu gehören insbesondere:
- die politische Arbeit zur Einrichtung einer Landesfachstelle Bayern
- Gespräche mit Ministerien, Kommunen und Institutionen
- die Entwicklung tragfähiger Versorgungskonzepte
- die Bereitstellung wichtiger Materialien und Projekte
- unsere Erinnerungsangebote wie das Erinnerungsreich ARIJON
- fachliche Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit
Unser Ziel ist klar:
Familien sollen künftig unabhängig von Wohnort, Zufall oder ehrenamtlicher Verfügbarkeit verlässliche, professionelle und traumasensible Unterstützung erhalten.
Akutbegleitung gehört in fachlich abgesicherte und dauerhaft finanzierte Versorgungsstrukturen.
Ehrenamt und Spenden können eine solche Versorgung wertvoll ergänzen.
Sie dürfen sie jedoch niemals ersetzen.
Wichtiger Hinweis zur Kontaktaufnahme
Bitte richten Sie Ihr Anliegen ausschließlich schriftlich an uns.
Wir melden uns im Rahmen unserer ehrenamtlichen Möglichkeiten schnellstmöglich zurück.
Sterneneltern Schwaben e. V. ist kein Rettungsdienst und keine rund um die Uhr erreichbare Krisenstelle.
